Als Bastet die Hand von Anubis‘ Handgelenk nimmt, verblassen die unruhigen Anzeigen auf ihrem HUD im Hintergrund. Sie stoßen sich von dem hell erleuchteten Verkaufsautomaten ab und lassen den ruhigen Vorplatz hinter sich. Es braucht keinen Teleport, keinen plötzlichen Wechsel der Welt – nur ein paar gemeinsame Schritte zu Fuß, um die Grenze zwischen der kühlen Nachtluft und dem pulsierenden Leben des Clubs zu überschreiten. Sie gehen durch den Eingang, und im selben Moment erwacht die Kulisse um sie herum zum Leben.
Die Texturen haben endlich fertig geladen. Das grelle Cyan und Magenta der Neonlichter von Nille’s Hangout spiegelt sich auf den feuchten Pflastersteinen des Bodens, während die Partikeleffekte des künstlichen Regens leise um sie herum tanzen.
Anubis steht direkt neben Bastet am Rand des hölzernen Stegs, auf den ihr Weg sie geführt hat. Er ist auch hier ein absoluter Blickfang im flackernden Clublicht. Seine langen, kunstvollen Braids sind zu dem vertrauten Dutt zusammengebunden, und die schwere Jacke schützt ihn schembar vor der künstlichen Kühle der Nacht. Er hat die Arme verschränkt und tippt eine kurze Nachricht ins IM-Fenster, während sein Blick stumm über die Tanzfläche gleitet. Er beobachtet die anderen Avatare mit dieser typischen, kühlen Gelassenheit, die ihn schon immer auszeichnet – ganz der alte Seelenführer, der auch im Metaverse nichts von seiner unerschütterlichen Ruhe verliert.
Neben ihm zieht Bastet die Blicke auf sich. Ihr langes, kupferrotes Haar, das als hoher Pferdeschwanz gebunden ist, leuchtet im unruhigen Schein der Clubbeleuchtung auf. Das lässige Top schmiegt sich perfekt an ihre geschmeidigen Bewegungen, während sie den Blick endgültig vom Display ihres HUDs hebt. Für die Leute hier im Club sind sie einfach ein perfekt abgestimmtes Couple mit einem ziemlich genialen, individuellen Look.
Sie macht einen Schritt vorwärts, passt die Kameraperspektive an, und ihr Blick trifft den seinen. Nach all den Jahren, die hinter ihnen liegen, brauchen sie keine großen Erklärungen mehr. Ein kurzer Blick reicht aus, um zu wissen, dass sie im selben Rhythmus funktionieren. Das Band zwischen der einstigen Göttin des Tanzes und ihrem alten Freund hält eben überall – egal ob im echten Leben oder hier, gefangen zwischen Skripten, Codes und Prims.
„Ziemlich voll heute für unter der Woche“, tippt Bastet in den Chat, während der tiefe Bass der Musik spürbar durch den hölzernen Steg vibriert.
Anubis zieht die Mundwinkel minimal nach oben, blickt von der Seite zu ihr herunter und schickt ihr eine kurze Animation rüber. Als sie die Einladung annimmt und ihr Avatar sich geschmeidig an seine Schulter lehnt, verfliegt das absurde Gefühl der digitalen Welt für einen Moment. Kein großes Drama, kein unnötiges Gerede. Einfach nur die vertraute, uralte Präsenz, die so gar nichts mit den unpersönlichen Pixeln der anderen User zu tun hat.
Sie gleiten langsam an den Tischen vorbei in Richtung der Haupttanzfläche, vorbei an den blinkenden Lichtern und den tippenden Gästen. Als sie sich schließlich an den Rand des Stegs setzen und die Beine über dem simulierten Abgrund baumeln lassen, genießen sie einfach den Vibe des Clubs. Die Nacht bei Nille ist gerade erst angebrochen, und mit ihm an ihrer Seite gibt es für Bastet absolut keinen Grund, sich zu beeilen.